INNOVATIONSSPITZE

Laut klingt das Klagelied: Alles, ausnahmslos alles geht den Bach runter. Europa, Deutschland, Österreich. Zukunftslos als Industriestandort und überhaupt mutlos, ideenlos, kraftlos. Demnächst nur noch irrelevant.
Und dann publiziert die World Intellectual Property Organization (WIPO) ihren 16. „Global Innovation Index“ (GII) in Folge. Der Bericht 2026 fokussiert auf das Thema „Powering Entrepreneurs at the Frontier of Science“ und stellt Europa sowie Österreich ein besseres Zeugnis aus, als es die vorherrschende Erzählung vermuten lässt.
Seit 16 Jahren liegt die Schweiz unangefochten an der Spitze der innovativsten Länder, gefolgt von Schweden und den USA. Österreich rangiert auf Platz 18 und hat sich damit um einen Rang verbessert. Geht man nach Regionen, liegt Europa im Index deutlich vor Nordamerika und Asien. Unter den Top-Ten befinden sich sechs europäische Länder, unter den Top-25 immerhin 14 (darunter eben auch Österreich).
Generell registriert die WIPO, dass 2025 die Investitionen in Forschung und Entwicklung weltweit zugelegt haben und dass der damit verbundene technologische Fortschritt zu höherer Produktivität, einem Rückgang der Armut sowie höherer Lebenserwartung beigetragen hat. Ein messbarer Effekt effizienten Wissenstransfers.
Dass Europa im Vergleich so gut abschneidet, liegt, so die WIPO, daran, dass seine Forschungsinstitutionen, -systeme und seine industriellen Kapazitäten einander verstärken. Die Schweiz belegt in der Kategorie des Creative Outputs den ersten Rang, Schweden im Bereich der Forschenden, Deutschland ist global Dritter im Bereich unternehmensfinanzierter Forschung und Frankreich Vierter geht es um Immaterielle Vermögenswerte.
„Österreich liegt dank eines ausgewogenen Modells aus Forschung und Industrie auf Platz 18“ so der Bericht. „Die Bruttoausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die von Unternehmen durchgeführte Forschung und Entwicklung belegen jeweils Platz Sieben, während die Zahl der Forscher (Platz Acht), gemeinsame Veröffentlichungen von öffentlicher Forschung und Industrie (Platz Neun), die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie sowie internationale Aktivitäten (Platz 9) und die Komplexität von Produktion und Export (Platz Zehn) Österreich zu den stärkeren europäischen Innovationssystemen zählen lassen.“
Der Bericht legt indes seine Finger auch auf die wunden Punkte nicht nur Österreichs, sondern Europas. Allen manifesten Stärken von der Forschungs- und Industrielandschaft bis hin zu Innovationsclustern steht eine schwächelnde Finanzierung gegenüber. Ein Manko, welches bereits Enrico Letta in seinem Bericht zur Zukunft des Binnenmarkts, Mario Draghi in seinem Report zur Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie in Österreich wiederholt und auf allen Kanälen Andreas Treichl wie zuletzt im trend formuliert haben. „Europas Innovationsbasis ist nach wie vor außerordentlich stark, doch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Region wird davon abhängen, ob es gelingt, ihre Stärken in Forschung und Industrie in umfangreichere und schneller skalierbare Innovationsergebnisse umzusetzen“, so der GII 2026. Das ist eine gute Ausgangsbasis. Grund für Untergangsgesänge ist dieser Befund nicht.
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